Jetzt in Aktien investieren oder ETF Sparplan: Was tue ich bei einem Börsencrash?

Börsenkrise ETF Sparplan oder Aktien investieren
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Krisenzeiten sind die beste Zeit, um günstig in den Aktienhandel einzusteigen – oder? Was mache ich mit meinem Sparplan, wenn die Kurse fallen? Oder sollte ich jetzt in Aktien investieren? Antwort: Ruhe bewahren, Sparplan laufen lassen und über die geringen Kurse freuen.

Warum sind 2020 die Aktienkurse durch das Coronavirus gefallen?

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie standen die Aktienkurse auf einem Allzeithoch und der Dow Jones sowie DAX konnten ständig neue Höchstwerte verzeichnen. Mit diesem Ausgangspunkt war es offensichtlich, dass eine Korrektur der Finanzmärkte bevorsteht.

1. Verlangsamte Wirtschaft wegen Corona-Pandemie

Eine der größten Schutzmaßnahmen gegen eine Pandemie ist Stillstand. Und das ganz pragmatisch: Um die Ausbreitung von Viren aufzuhalten, sind soziale Kontakte gering zu halten, das private Leben auf ein Minimum zu reduzieren. Das trifft direkt die Aktienmärkte. Konsumgüter werden weniger nachgefragt, Veranstaltungen abgesagt und der Gaststättenbetrieb heruntergefahren. Der Absatz vieler Produkte wird geringer ausfallen als zuvor. Durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist auch der Tourismus, Flugverkehr und andere Branchen stark belastet.

Zusammenfassend: Da unsere Weltwirtschaft auf Konsum basiert, sind Maßnahmen wie Ausgangssperren und geschlossene Lokale ein klares Urteil für sinkende Aktienkurse.

2. Gewinnmitnahmen

Der Kursrutsch hängt maßgeblich mit den prall gefüllten Märkten vor dem Ausbruch einer Pandemie zusammen. Die Kurse sind bis Ende 2019 stark angestiegen und durch die positiven Kennzahlen vieler Unternehmen sowie guten Arbeitsmarktzahlen in den USA war die Stimmung an den Märkten allgemein sehr positiv. Mit der Ankündigung einer globalen wirtschaftlichen Notlage aufgrund einer Pandemie, wurde der Startschuss gesetzt, die Gewinne, die man in den 10 Jahren zuvor gemacht hat, endlich einzustreichen.

Zusammenfassend: Durch zuvor hohe Aktienkurse wurde die Chance genutzt, um Gewinne mitzunehmen. Die Aktienkurse sind daraufhin abrupt abgestürzt, da viele Anleger das Gleiche vorhatten.

Hat sich die wirtschaftliche Lage jetzt nun verändert?

Objektiv gesehen, lag der Zusammenbruch der Märkte nicht an einer fehlenden Kaufkraft oder globalen Schieflage der Wirtschaft. Es handelt sich ausschließlich um eine kurzfristige Ausnahmesituation.

Die Menschen möchten konsumieren oder reisen. Um aber die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen, werden die Personen in ihrer Freiheit durch staatliche Vorgaben eingeschränkt.

Es ist abzusehen, dass der wirtschaftliche und gesellschaftliche Stillstand ein temporärer Zustand sein wird. Das ändert nichts an der Qualität der schon davor gut bewerteten Unternehmen.

Was soll ich mit meinem ETF Sparplan wegen der Coronakrise machen?

Die fallenden Kurse werden bis zu einem bestimmten Punkt anhalten, aber anschließend wieder systematisch ansteigen. Das lässt sich aus mittlerweile 200 Jahren Börsengeschichte sowie den oben genannten Gründen ableiten.

Mit einem Sparplan kauft man in regelmäßigen Abständen Wertpapiere ein. In Hochzeiten und wirtschaftlichen Krisen behält man seine Sparrate bei. Da dauerhaft investiert wird, entsteht ein Durchschnittspreis (Cost-Average-Effekt). Eine Krise ist damit nur eine Zeit, um den Durchschnittspreis seines Sparplans nach unten zu korrigieren.

Ich gehe so vor:
Autor Sparplan Vergleich Max Hillebrand

  1. Mein ETF Sparplan bei Trade Republic habe ich erst im Februar begonnen und ich belasse meine Sparrate bei 100€.
  2. Meinen ETF Sparplan bei der ING von 50€ monatlich musste ich leider aus finanziellen Gründen pausieren.

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Oktober Sparplan Trade Republic
Das ist mein Sparplan bei Trade Republic. Der Screenshot zeigt die aktuelle Entwicklung für Oktober 2020.

Ich werde keinen ETF verkaufen!

Vor mehr als zwei Jahren habe ich mit ETF Sparplänen begonnen. Ich möchte langfristig investieren und Krisen gehören zu Sparplänen. Der jetzige Verkauf wäre ein großer Verlust und eine unüberlegte Maßnahme. Ich setzte meine Sparpläne als ETF Altersvorsorge ein. Hier kann nach einem Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten über ein Verkauf nachgedacht werden.

Hast Du erst mit einem ETF Sparplan begonnen, solltest Du unbedingt dran bleiben und nicht verkaufen!

Soll ich wegen der Krise meine Sparrate anpassen oder meinen ETF Sparplan pausieren?

Zu einem Börsencrash können auch berufliche Schwierigkeiten eine Folge sein. Reichen die eigenen finanziellen Möglichkeiten nicht mehr aus, um eine Sparrate von mehreren Hundert Euro beizubehalten, dann wird der Sparplan pausiert oder auf ein passendes Niveau reduziert.

Besitzt man keine finanziellen Engpässe, kann man bei einem Börsencrash die Sparrate erhöhen. Eine Vorgabe für eine Erhöhung gibt es nicht. Gehe so vor, dass die Sparrate nicht über deinen Verhältnissen erhöht wird. Beruhigen sich die Märkte, kann der Sparplan wieder auf eine normale Höhe gesenkt werden.

Durch die dynamische Anpassung verschafft man sich einen Gewinnvorteil. Im Gegenzug zum normalen Aktienkauf ist der Einstiegszeitpunkt irrelevant. Da bei einem ETF Sparplan Langfristigkeit im Vordergrund steht, werden Wirtschaftskrisen ausgesessen. Die Wahrscheinlichkeit bei dem Kauf von Einzelaktien falsch zu liegen, ist wesentlich höher als einen breit diversifizierten ETF über viele Jahre und Krisen zu besparen.

Zusammenfassend: Sparrate an finanzielle Lage anpassen. ETF Sparplan pausieren, wenn Du im Zuge einer Wirtschaftskrise den Job verlierst, den Job wechseln musst oder in Kurzarbeit gehst. Erhöhung der Sparrate in der Krise, um Gewinne zu erhöhen. Sparrate wieder senken, wenn die Kurse sich stabilisieren.

Jetzt in Aktien investieren?

Zu einem Börsencrash wie 2020 sind so gut wie alle Kurse extrem gefallen, jetzt in Aktien investieren und dann mit hohem Gewinn verkaufen – einfach oder? Ganz so einfach ist das doch nicht.

Vor allem nach hohen Kursverlusten denken viele Anleger, dass jetzt der perfekte Einstieg in den Markt ist. Es wird in eine oder eine Handvoll Aktien investiert. Danach kommt es zu einem weiteren Fall der Kurse, weil die Krise noch im vollem Gange ist. Der Anleger ist enttäuscht, verkauft panikartig seine Wertpapiere zu hohen Verlusten. Nach einem halben Jahr guckt er die Börsenkurse an und entdeckt, dass er einen hohen Gewinn erzielt hätte, wenn er den zweiten Kursrutsch ausgehalten und später verkauft hätte.

Was lernen wir daraus? Bei Einzelaktien das tiefste Tief und die höchsten Gewinne mitzunehmen, ist unmöglich. Nicht mal Profiinvestoren schaffen das. Möchte man jetzt in Aktien investieren, ist Geduld und Gelassenheit sehr wichtig.

Ich habe jetzt in Aktien investiert und nachgekauft!

Update November 2020: Neben der Deutsche Post DHL und Apple habe ich zuletzt PayPal (WKN: A14R7U) nachgekauft. Aufgrund der aktuellen Euphorie am Aktienmarkt, dass ein Impfstoff die Pandemie auflösen würde, ist der Kurs trotz guter Bilanzen stark gefallen. Für mich ein Grund, die Gewinne nicht mitzunehmen, sondern weiterhin zu investieren. 5 neue PayPal Aktien vergrößern mein Depot.

Vom März 2020: In meinem kleinen Portfolio befindet sich seit einiger Zeit die Aktie DHL Deutsche Post AG (WKN: 555200). Aufgrund der aktuellen Entwicklungen ist der Kurs stark gefallen. Die Nachfrage nach Versand und Logistik wird aber selbst in einer Quarantäne gefragt sein, wenn nicht sogar noch mehr als vorher. Mit der zusätzlichen Erhöhung der Dividende habe ich 40 Aktien der Deutschen Post mit meinem ING Depot nachgekauft.

Gleiches gilt für Apple (WKN: 865985). Die Kurse sind zuvor stark angestiegen. Ich habe nach dem ersten Kursrutsch drei Aktien mit meinem Depot bei Trade Republic nachgekauft.

Mein Anspruch ist es, nicht den perfekten Einstieg zu finden, sondern in für mich akzeptablen Szenarien nachzukaufen. Gleichzeitig mit dem Hintergedanken, dass sich die Aktien erst wieder in geraumer Zeit erholen werden.

Die Dividenden der Deutschen Post AG sind ein angenehmer Puffer, der eine monatliche Sparrate für einen ETF abfängt. Wer davor schon in eine Dividendenstrategie investiert hat, sollte sich darüber informieren, welche Unternehmen auf Dividenden verzichten oder sogar erhöhen.

Tipp: Die Depots im Sparplan Vergleich eignen sich auch wunderbar als Depot, um Aktien zu kaufen. Ich habe ein Depot bei Trade Repbulic, ING und comdirect.

Was sagen die Experten? Beate Sander empfiehlt zur Gelassenheit & ETFs

Die „Börsen-Oma“ Beate Sander ist ein Urgestein der deutschen Aktienszene (und mittlerweile leider verstorben). Zuletzt hat sie sich zur aktuellen Lage am Aktienmarkt geäußert. Das Fazit: ETFs sind der sichere Weg durch die Krise. Wer mehr Kapital zur Verfügung hat, kann über ETFs hinausgehen und gezielt in Aktien investieren.

Bei der Investition in Aktien folgt Frau Sander dem Starinvestor Warren Buffett, der nur in Wertpapiere investiert, die er auch versteht, die Marke kennt und vertraut ist. Bei einem Startkapital unter 10.000€ empfiehlt Beate Sander einen Sparplan auf breit gestreute ETFs.

Buchempfehlungen für gutes Investieren

Ich verfolge selbst eine passive Anlagestrategie und kaufe Aktien, wenn mir der Zeitpunkt günstig erscheint. Die theoretische Grundlage dafür ist nicht ausgedacht, sondern wissenschaftlich belegt. Diese Bücher schätze ich selbst sehr und dienen mir als Orientierungspunkt für meine eigene Anlagestrategie. Nicht nur während einer Quarantäne ein Must-Read für alle Anleger ;).

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Fazit: Ruhe bewahren, Sparplan die Arbeit machen lassen

Rote Zahlen im Depot sind nicht schön und kein Anleger mag schwierige wirtschaftliche Lagen. Jedoch sollten sich vor allem ETF Sparplananleger freuen dürfen. Mit jeder Sparplanausführung zu geringen Kursen sinkt der Durchschnittspreis des ETFs. Steigen die Kurse wieder, hat man eine sehr gute Ausgangslage und kann mit Gewinnen rechnen.

Wer etwas von Aktien versteht und bereit ist Kursverluste für einen längeren Zeitraum hinzunehmen, der kann jetzt in Aktien investieren. Ich persönlich kaufe in kleinen Volumina nach. Der sichere und langfristige Weg ist ein ETF Sparplan mit ausreichender Diversifikation.

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Bildnachweis: Vielen Dank an Freepik©flaticon.com für die Icons aus dem Titelbild.

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