ETF Steuer: Wie werden ETFs versteuert? Sparpläne, Einmalanlage, Beispiele thesaurierend / ausschüttend

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Aktiengewinne müssen in Deutschland versteuert werden. Da ETFs nicht anders als Fonds gewertet werden, muss nach aktueller Regelung auch während der Haltedauer eine Pauschale abgeführt werden. Keine Ahnung, wie ETFs eigentlich versteuert werden? Gibt es so etwas wie eine ETF Steuer? Ich zeige dir, worauf du bei ETFs steuerlich achten musst, damit du dich nicht über eine Steuernachzahlung ärgerst.

Zusammenfassung 💡

  • Seit 2018 gilt die neue Investmentsteuerreform. Damit wird die Abgabe von Steuern vereinfacht.
  • Da ETFs nichts anderes als Fonds sind, werden ETFs wie Fonds versteuert.
  • Steuerlich betrachtet werden ausschüttende oder thesaurierende ETFs gleich versteuert. Inländische und ausländische ETFs werden gleich behandelt. Zwischen den Replikationsmethoden gibt es ebenfalls keine Unterschiede.
  • Der Regelsteuersatz für Kapitalerträge beträgt 26,375%. Jede Person in Deutschland besitzt einen Freibetrag auf Kapitalerträge von 801€ (1.602€, wenn verheiratet).
  • Eigentlich werden Steuern nur bei wirklichem Kapitalertrag erhoben. Seit der neuen Regelung wird der ETF für das Halten mit einer „Vorabpauschale“ versteuert. Du bezahlst also Steuern im Voraus, die am Ende beim Verkauf verrechnet werden. Steuern werden somit nicht doppelt gezahlt.
  • Die Vorabpauschale wird jährlich neu anhand des Basisertrags berechnet.
  • Als Entschädigung für die Anleger werden ETFs mit über 50% Aktienanteil mit nur 70% des Ertrags versteuert.
  • Um keine Steuern zu bezahlen, richtest du einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker ein und überschlägst die Vorabpauschale grob.
  • Die Vorabpauschale ist in der Regel so gering, dass dein Freistellungsauftrag ausreicht, um keine Steuern zu zahlen. Erst ab einem Fondsvolumen von 60.000€ wird dein Freibetrag aufgebraucht sein und dein Depotanbieter führt die Steuer ab.

Hinweis: Die Kurseinbrüche durch das Coronavirus sind jetzt eine günstige Chance, um mit Sparplänen anzufangen oder die Sparrate aufzustocken! Lies hier, was man mit seinem ETF Sparplan tun sollte & ob das Investieren in Aktien sinnvoll ist.

Disclaimer: In diesem Beitrag teile ich mein Wissen und Erfahrungen über das Thema Besteuerung von ETFs. Dieser Beitrag ist keine Beratung und ersetzt auch keine Steuerberatung für Wertpapiere. Mit diesem Beitrag möchte ich weitergeben, wie ETFs besteuert werden.

Wie hoch ist die Steuer auf Kapitalerträge?

Zusammenfassend: Wenn du in einem Jahr mehr als 801€ (bzw. 1.602€, wenn verheiratet) an Kapitalerträgen verdient hast, musst du Steuern von 26,375% auf die Summe bezahlen, die über dem Freibetrag liegt.

Auf Kapitalerträge fallen Steuern an. Du musst 25% Abgeltungssteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer zahlen, wenn du in der Kirche bist.

Daraus ergibt sich 26,375% Steuer, die man grundsätzlich auf alle Kapitalerträge zahlen muss. Neben Gewinnen aus Wertpapiergeschäften zählt die Steuer übrigens auch für die Zinsen auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto.

Pro Jahr besitzen Alleinstehende einen Steuerfreibetrag von 801€. Verheiratete Paare können das doppelte pro Jahr, also 1.602€, an Erträgen verdienen.

Beispiel: Eine alleinstehende Person macht einen Aktiengewinn von 993€ in einem Jahr. Abzüglich des Freibetrags müssen 192€ mit 26,375% versteuert werden. Die Bank wird dir automatisch 50,64€ in Rechnung stellen (+ Verkaufsprovision natürlich). Unten siehst du einen Screenshot meiner Abrechnung für gesagtes Beispiel.

Aktienverkauf Steuern Depot
Meine Abrechnung für einen Aktienverkauf. In der Abrechnung werden die Kosten aufgelistet. Hier handelt es sich um einen Gewinn von 192€, die versteuert wurden.

Damit die Bank nicht automatisch Steuern abführt: Freistellungsauftrag einstellen

Steuern auf Kapitalerträge werden immer automatisch von der Bank abgeführt. Um zu vermeiden, dass du Steuern bezahlst, obwohl dein Freibetrag noch gar nicht erreicht ist, musst du einen „Freistellungsauftrag“ erteilen. Bei meinem ING Sparplan habe ich dir bereits gezeigt, wie man zumindest bei der ING einen Freistellungsauftrag erteilt. Meistens geht das ohne Probleme in den Einstellungen des Brokers.

Achtung: Wenn du mehrere Depots hast, dann lohnt es sich, wenn du dir eine Excel Tabelle anlegst oder anderweitig deine Erträge checkst. Die 801€ (oder 1602€) gelten natürlich nur insgesamt für ALLE Erträge.

ETF Steuer: So werden ETFs seit 2018 besteuert

Um das Thema nicht weiter zu verkomplizieren, muss man bei ETFs, die man nach 2018 gekauft hat, eines Wissen: Für das Halten eines ETFs wird jährlich eine sogenannte „Vorabpauschale“ berechnet. Solange du ein Depot in Deutschland besitzt und ETFs handelst, musst du dir weiter keine Sorgen machen.

Die Vorabpauschale und Steuern werden automatisch von der Bank abgeführt und werden in der Regel von dem Freistellungsauftrag abgefangen. Erst ab einem ETF mit einem Wert über 60.000€ reicht der jährliche Freibetrag nicht aus und die Bank zieht die Steuern von deinem Verrechnungskonto ein. Deshalb behalte einen Puffer auf deinem Verrechnungskonto, um nicht Strafzinsen zu zahlen oder für die Steuernachzahlung ins Dispo gehen zu müssen.

Merke dir: Für das Halten eines ETFs werden Steuern als eine Art Vorauszahlung bezahlt. Beim Verkauf des ETFs, werden die bereits geleisteten Steuerzahlungen verrechnet, sodass keine Steuer extra gezahlt wird. Die Steuer berechnet sich anhand der Vorabpauschale. Nur die Vorabpauschale muss mit dem üblichen Steuersatz von 26,375% versteuert werden.

Teilfreistellung bei ETFs/Fonds mit hohem Aktienanteil

Die Teilfreistellung gilt für alle Erträge wie Dividenden und Verkaufsgewinne. Ob die Gewinne im Inland oder Ausland getätigt wurden, spielt ebenfalls keine Rolle. Wenn du bekannte ETFs auf den MSCI World oder Emerging Markets handelst, dann besitzen die meistens einen Aktienanteil über 50%. Du bezahlst also nur auf 70% deiner Erträge Steuern.

  • über 50% Aktien = 30% der Ausschüttungen/Gewinne steuerfrei
  • Mischfonds mit min. 25% Aktien = 15 der Ausschüttungen/Gewinne steuerfrei
  • Immobilienfonds = 60% der Ausschüttungen/Gewinne steuerfrei (ab 51% ausländische Immobilien = 80% steuerfrei)

Vorabpauschale: Jährliche Steuer für das Halten eines ETFs

Mit der Vorabpauschale werden deine Gewinne durch einen ETF versteuert, obwohl du deine Gewinne noch gar nicht realisiert hast. Die Vorabpauschale ist recht gering und wird jährlich anhand von einem Basiszins berechnet.

Beim schlussendlichen Verkauf eines Fonds werden die bereits geleisteten Steuern durch die Vorabpauschale mit den Steuern für den gesamten Verkauf automatisch verrechnet. Es werden dadurch keine Steuern extra bezahlt.

Berechnung der Vorabpauschale bei ETFs

Die Vorabpauschale wird anhand des „Basisertrag“ berechnet. Der Basisertrag errechnet sich aus dem Wert der Fondsanteile zu Beginn des Jahres (1. Januar eines Jahres) mal dem Basiszins (= risikoloser Zins, von der EZB täglich neu vergeben) mal dem Faktor von 0,7.

Basisertrag = Wert Fondsanteile Beginn des Jahres x Basiszins x 0,7
Vorabpauschale = Basisertrag – Ausschüttungen (negativer Wert wird als 0 gewertet)

Der Basiszins wird von der EZB jährlich festgelegt. Hier findest du die Quelle. Jährlich wird der erste Wert im Januar verwendet.

Der Basiszins für 2019 beträgt 0,52.

Für 2020 beträgt der Basiszins 0,07.

  • Liegt die Vorabpauschale unter der Wertsteigerung des ETFs, wird die Vorabpauschale zur Grundlage der Besteuerung genommen.
  • Liegt die Vorabpauschale über der Wertsteigerung des ETFs, wird die Wertsteigerung versteuert.
  • Gab es in dem Berechnungsjahr keine Gewinne oder sogar Verluste, kann die Vorabpauschale ignoriert werden. Es gibt keine Abzüge.

Beispielberechnung für Vorabpauschale bei ETFs

Hier findest du einige Beispielberechnungen für unterschiedliche Szenarien. Klicke einfach auf das entsprechende Szenario und lass dir die Berechnung dadurch anzeigen.

Vorabpauschale thesaurierender ETF mit hohem Gewinn

Einmalanlage MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 5.000€
Jahresende: 5.500€
Ausschüttungen: 0€
Wertsteigerung: 500€
Gesamtgewinn: 500€

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

Basisertrag: 5.000€ x 0,0052 x 0,7 = 18,20€
Vorabpauschale: 18,20€ – 0€ = 18,20€

Steuern auf Ausschüttungen: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Steuern auf Vorabpauschale: 18,20€ x 0,7 x 0,26375 = 3,36€
Endgültige Steuern für das jährliche Halten des ETFs: 3,36€ + 0€ = 3,36€

Es fallen Steuern in Höhe von 3,36€ an. Wenn dein Freistellungsauftrag für das Jahr überschritten ist, musst du diesen Vorabbetrag bezahlen. Reicht dein Freistellungsauftrag noch aus, dann zahlst du nichts.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (5.500€ – 5.000€ – 18,20€) x 0,7 x 0,26375 = 88,89€
Steuerlast insgesamt = 3,36€ + 88,89€ = 92,25€

[collapse]
Vorabpauschale thesaurierender ETF mit geringem Gewinn

Einmalanlage MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 5.000€
Jahresende: 5.010€
Ausschüttungen: 0€
Wertsteigerung: 50€
Gesamtgewinn: 10€

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

Basisertrag: 5.000€ x 0,0052 x 0,7 = 18,20€
Vorabpauschale: 10€ – 0€ = 10€

Vorabpauschale darf nicht größer sein als der Gesamtgewinn. In diesem Falle ist der Gesamtgewinn gleich der Vorabpauschale (10€).

Steuern auf Ausschüttungen: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Steuern auf Vorabpauschale: 10€ x 0,7 x 0,26375 = 1,85€
Endgültige Steuern für das jährliche Halten des ETFs: 1,85€ + 0€ = 1,85€

Es fallen Steuern in Höhe von 1,85€ an. Wenn dein Freistellungsauftrag für das Jahr überschritten ist, musst du diesen Vorabbetrag bezahlen. Reicht dein Freistellungsauftrag noch aus, dann zahlst du nichts.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (5.010€ – 5.000€ – 10€) x 0,7 x 0,26375 = 0€
Steuerlast insgesamt = 1,85€ + 0€ = 1,85€

[collapse]
Vorabpauschale thesaurierender ETF bei Verlust

Einmalanlage MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 5.000€
Jahresende: 4.500€
Ausschüttungen: 0€
Wertsteigerung: – 500€
Gesamtgewinn: -500€

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

Basisertrag: 5.000€ x 0,0052 x 0,7 = 18,20€
Vorabpauschale: 18,20€ – 0€ = 18,20€

Wertsteigerung ist negativ. Vorabpauschale ist als 0 zu werten.

Steuern auf Ausschüttungen: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Steuern auf Vorabpauschale: 0€ x 0,7 x 0,26375 = 0€
Endgültige Steuern für das jährliche Halten des ETFs: 0€ + 0€ = 0€

Es fallen keine Steuern an.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (4.500€ – 5.000 € – 0€) x 0,7 x 0,26375 = 0€ (Wert kann nicht negativ sein)
Steuerlast insgesamt = 0€ + 0€ = 0€

Bei Wertverlust fallen keine Steuern an.

[collapse]
Vorabpauschale ausschüttender ETF mit Ausschüttung und Gewinn

Einmalanlage MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 5.000€
Jahresende: 5.500€
Ausschüttungen: 200€
Wertsteigerung: 300€
Gesamtgewinn: 500€

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

Basisertrag: 5.000€ x 0,0052 x 0,7 = 18,20€
Vorabpauschale: 18,20€ – 200€ = -181,80€

Vorabpauschale kann nicht unter Null liegen. Deshalb ist die Vorabpauschale als 0 zu werten.

Steuern auf Ausschüttungen: 200€ x 0,0052 x 0,7 = 0,728€
Steuern auf Vorabpauschale: 0€ x 0,7 x 0,26375 = 0€
Steuerliche Vorauszahlung für das Halten des ETFs: 0,728€ + 0€ = 0,728€

Es fallen Steuern in Höhe von 0,73€ an. Wenn dein Freistellungsauftrag für das Jahr überschritten ist, musst du diesen Vorabbetrag bezahlen. Reicht dein Freistellungsauftrag noch aus, dann zahlst du nichts.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (5.500€ – 5.000€ – 0€) x 0,7 x 0,26375 = 92,31€
Steuerlast insgesamt = 0,728€ + 92,31€ = 93,04€

[collapse]
Vorabpauschale ausschüttender ETF mit Ausschüttung und Verlust

Einmalanlage MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 5.000€
Jahresende: 4.800€
Ausschüttungen: 300€
Wertsteigerung: -200€
Gesamtgewinn: 100€

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

Basisertrag: 5.000€ x 0,0052 x 0,7 = 18,20€
Vorabpauschale: 18,20€ – 300€ = -181,80€

Vorabpauschale kann nicht unter Null liegen. Deshalb ist die Vorabpauschale als 0 zu werten.

Steuern auf Ausschüttungen: 300€ x 0,0052 x 0,7 = 1,09€
Steuern auf Vorabpauschale: 0€ x 0,7 x 0,26375 = 0€
Steuerliche Vorauszahlung für das Halten des ETFs: 1,09€ + 0€ = 1,09€

Es fallen Steuern in Höhe von 1,09€ an. Wenn dein Freistellungsauftrag für das Jahr überschritten ist, musst du diesen Vorabbetrag bezahlen. Reicht dein Freistellungsauftrag noch aus, dann zahlst du nichts.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (5.500€ – 4.500€ – 0€) x 0,7 x 0,26375 = 0€ (Wert kann nicht negativ sein)
Steuerlast insgesamt = 1,09€ + 92,31€ = 93,40€

[collapse]

ETF Sparplan Steuer: Wie werden ETF Sparpläne versteuert?

Hinweis: Du willst ETFs als Sparplan ausführen und langfristig Investieren? In meinem ETF Sparplan Vergleich findest du alles über ETFs und passenden Depots.

Für die Einmalanlage ist die Berechnung der Steuern relativ unkompliziert. Für Sparpläne ist die Sache umständlicher, da unterjährig Anteile gekauft werden und damit die Wertsteigerung und Anzahl an Anteilen immer schwanken.

Mit einem Sparplan wird die Vorabpauschale monatlich anteilig berechnet.

Für die Berechnung muss du wissen, wie viele Anteile am 01.01. eines Jahres vorhanden sind, wie viele Anteile pro Monat gekauft wurden und wie hoch der Wert am Ende des Jahres zum 31.12. war.

Die Berechnung für einen monatlichen Sparplan auf thesaurierenden ETF sieht dann wie folgt aus:

1.
Vorabpauschale des Wertes am 01.01. berechnen. Berechnung siehe oben.

2.
Anteile-Kauf im Januar: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 12/12
Anteile-Kauf im Februar: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 11/12
Anteile-Kauf im März: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 11/12
usw….
Anteile-Kauf im Dezember: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 1/12

3. Anteile vom Jahresanfang x Vorabpauschale + Wert des Anteile-Kaufs je Monat ( Januar bis Dezember addieren)

Wenn du die Anteile vom Jahresanfang x Vorabpauschale und alle anteiligen Käufe zusammenrechnest, erhältst du deine Vorabpauschale.

Diese musst du nun mit der bekannten Gleichung (Vorabpauschale Gesamt x Teilfreistellung x Steuersatz) versteuern.

Berechnung bei ausschüttenden ETFs

Wenn der ETF Ausschüttungen besitzt, dann musst du zusätzlich die Ausschüttungen miteinbeziehen. Dabei ist der Tag der Ausschüttung oder Häufigkeit egal. Es kommt auf die Gesamtausschüttungen in dem Jahr an.

Wichtig ist, dass du die Ausschüttungen in der Vorabpauschale miteinbeziehst. Und die Ausschüttungen versteuerst. Ein genaues Beispiel für beide Szenarien siehst du unten.

Wie wird die Steuer berechnet, wenn ich quartalsweise oder halbjährlich einen Sparplan ausführe?

Hier musst du bei der anteiligen Berechnung der Monate die Wertigkeit anpassen. Bei monatlichem Sparplan ist jeder Monat 1/12 wert, da jeden Monat eingezahlt wird.

Wird quartalsweise eingezahlt, dann ist jede Einzahlung 3/12 wert.

Beispiel:

Anteile-Kauf im März: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 12/12
Anteile-Kauf im Juni: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 9/12
Anteile-Kauf im September: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 6/12
Anteile-Kauf im Dezember: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 3/12

Wird halbjährlich eingezahlt, dann ist jede Einzahlung 6/12 wert.

Beispiel:

Anteile-Kauf im Juni: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 12/12
Anteile-Kauf im Dezember: neu gekaufte Anteile x Vorabpauschale x 6/12

Beispielberechnung ETF Sparplan Steuern

Hier habe ich ein paar Beispiele für dich, wie ETF Sparpläne versteuert werden. Klicke einfach auf dein Szenario, um die Berechnung anzugucken.

Beispielrechnung für thesaurierenden ETF Sparplan Steuer 1. Jahr bei 0€ Fondsvolumen und 100€ monatlicher Sparrate

Sparplan thesaurierender MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 0€, Anteile 0
Einzahlungen monatlich: 100€ (1.200€ pro Jahr)
Jahresende: 1.400€, Anteile 12
Ausschüttungen: 0€
Wertsteigerung: 200€
Gesamtgewinn: 200€

Annahme: Pro Monat wird 1 Anteil des ETFs gekauft.

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

1.
Basisertrag: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Vorabpauschale: 0€ – 0€ = 0€

2.
Anteile-Kauf im Januar: 1 x 0 x 12/12
Anteile-Kauf im Februar: 1 x 0 x 11/12
Anteile-Kauf im März: 1 x 0 x 10/12
usw….
Anteile-Kauf im Dezember: 1 x 0 x 1/12

3. Anteile vom Jahresanfang x Vorabpauschale + Wert des Anteile-Kaufs je Monat ( Januar bis Dezember addieren)

Vorabpauschale gesamt: 0 x 0 + 0 = 0€

Steuern auf Ausschüttungen: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Steuern auf Vorabpauschale: 0€ x 0,7 x 0,26375 = 0€
Steuerliche Vorauszahlung für das Halten des ETFs: 0€ + 0€ = 0€

Es fallen Steuern in Höhe von 0€ an.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (1.400€ – 1.200€* – 0€) x 0,7 x 0,26375 = 92,31€
Steuerlast insgesamt = 0€ + 92,31€ = 92,31€

*Die 1.200€ sind die Gesamteinzahlungen am Ende des 1. Jahres, da jeden Monat, also 12 Mal, 100€ eingezahlt wurden.

[collapse]
Beispielrechnung für thesaurierenden ETF Sparplan Steuer 2. Jahr bei 0€ Fondsvolumen und 100€ monatlicher Sparrate

Sparplan thesaurierender MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 1.400€, Anteile 12
Einzahlungen monatlich: 100€ (1.200€ pro Jahr)
Jahresende: 2.900€, Anteile 24
Ausschüttungen: 0€
Wertsteigerung: 300€
Gesamtgewinn: 300€

Annahme: Pro Monat wird 1 Anteil des ETFs gekauft.

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

1.
Basisertrag: 1.400€ x 0,0052 x 0,7 = 5,096€
Vorabpauschale: 5,096€ – 0€ = 5,096€

2.
Anteile-Kauf im Januar: 1 x 5,096€ x 12/12
Anteile-Kauf im Februar: 1 x 5,096€ x 11/12
Anteile-Kauf im März: 1 x 5,096€ x 10/12
usw….
Anteile-Kauf im Dezember: 1 x 5,096€ x 1/12

= 33,124€

3. Anteile vom Jahresanfang x Vorabpauschale + Wert des Anteile-Kaufs je Monat ( Januar bis Dezember addieren)

Vorabpauschale gesamt: 12 x 5,096€ + 33,124 = 94,276€

Steuern auf Ausschüttungen: 0€ x 0,0052 x 0,7 = 0€
Steuern auf Vorabpauschale: 94,276€ x 0,7 x 0,26375 = 17,40€
Steuerliche Vorauszahlung für das Halten des ETFs: 0€ + 17,40€ = 17,40€

Es fallen Steuern in Höhe von 17,40€ an.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (2.900€ – 2.400€* – 5,096€) x 0,7 x 0,26375 = 91,37€
Steuerlast insgesamt = 17,40€ + 92,31€ = 109,71€

*Die 2.400€ sind die Gesamteinzahlungen am Ende des 2. Jahres, da jeden Monat, also 24 Mal, 100€ eingezahlt wurden.

[collapse]
Beispielrechnung für ausschüttenden ETF Sparplan Steuer 2. Jahr bei 0€ Fondsvolumen und 100€ monatlicher Sparrate

Sparplan ausschüttend MSCI World ETF (wegen Aktienanteil über 50%, sind nur 70% zu versteuern)
Jahresbeginn: 1.400€, Anteile 12
Einzahlungen monatlich: 100€ (1.200€ pro Jahr)
Jahresende: 2.900€, Anteile 24
Ausschüttungen: 50€
Wertsteigerung: 250€
Gesamtgewinn: 300€

Annahme: Pro Monat wird 1 Anteil des ETFs gekauft.

Basiszins (2019): 0,52%
Steuersatz: 26,375%

1.
Basisertrag: 1.400€ x 0,0052 x 0,7 = 5,096€
Vorabpauschale: 5,096€ – 50€ = 0€

Vorabpauschale kann nicht negativ sein. Deshalb wird die Vorabpauschale als 0 gewertet.

2.
Anteile-Kauf im Januar: 1 x 0 x 12/12
Anteile-Kauf im Februar: 1 x 0 x 11/12
Anteile-Kauf im März: 1 x 0 x 10/12
usw….
Anteile-Kauf im Dezember: 1 x 0 x 1/12

= 0€

3. Anteile vom Jahresanfang x Vorabpauschale + Wert des Anteile-Kaufs je Monat ( Januar bis Dezember addieren)

Vorabpauschale gesamt: 12 x 0€ + 0 = 0€

Steuern auf Ausschüttungen: 50€ x 0,0052 x 0,7 = 0,182€
Steuern auf Vorabpauschale: 0€ x 0,7 x 0,26375 = 0€
Steuerliche Vorauszahlung für das Halten des ETFs: 0€ + 0,182€ = 0,182€

Es fallen Steuern in Höhe von 0,182€ an.

Bei Gesamtverkauf:

Steuer durch Verkauf = (2.900€ – 2.400€* – 0€) x 0,7 x 0,26375 = 92,31€
Steuerlast insgesamt = 0,182€ + 92,31€ = 92,49€

*Die 2.400€ sind die Gesamteinzahlungen am Ende des 2. Jahres, da jeden Monat, also 24 Mal, 100€ eingezahlt wurden.

[collapse]

Vereinfachte ETF Sparplan Steuer Berechnung

Wie du siehst, ist die genaue Berechnung sehr komplex. Gleichzeitig musst du die einzelnen Anteile kennen, die du gekauft hast. Das Problem bei einem Sparplan, ist die Wertentwicklung genaustens anzugeben. Wenn du aber die Wertentwicklung kennst, dann kannst du die Berechnung wie bei einer Einmalanlage durchführen.

Um die Wertentwicklung grob zu überschlagen, rechnest du den Wert am Jahresende – minus die Einzahlungen in dem Jahr – minus den Wert zu Beginn des Jahres.

Mit dieser groben Wertentwicklung berechnest du die Vorabpauschale und Steuern wie im Beispiel der Einmalanlage durch. Die Angabe wird leicht höher sein als die genaue Berechnung und dient als Richtwert wie viel Freistellungsauftrag du noch offen lassen solltest.

Muss ich für meine ETF Sparpläne eine Steuererklärung anfertigen?

Die Kapitalertragssteuer und Vorabpauschale sind Quellensteuern. Das bedeutet, die Steuer wird direkt an der „Quelle“ abgeführt. Wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt oder deine Kapitalerträge die Grenze von 801€ (1.602€ bei verheirateten Paaren) erreicht haben, wird die Steuer von deinem Depotanbieter direkt eingefordert, wenn es zu Kapitalerträgen kommt.

Bei ETF Sparplänen wird die Vorabpauschale zumeist zu Steuerbescheinigung vom Depotanbieter abgerechnet.

Eine zusätzliche Angabe in der Anlage KAP bei der Steuererklärung ist nicht erforderlich, wenn man einen deutschen Depotanbieter hat und deutscher Staatsbürger ist. Wenn du auch ausländische Depots führst und dort ETFs (oder ander Wertpapiere) handelst, dann musst du die Erträge in der Steuererklärung zwingend angeben.

Thesaurierender oder ausschüttender ETF: Was ist steuerlich besser?

Wie man an der oberen Berechnung sehen kann, ist bei gleicher Entwicklung des ETFs, der ausschüttende ETF steurlich leicht im Vorteil. Jedoch kehrt sich dieser Effekt ab etwa 20.000€ Fondsvolumen um.

Ausschüttende ETF sind für eine Dividendenstrategie interessant, können aber in der Wertentwicklung von thesaurierenden abweichen. Darüber hinaus gehe ich in dem Beispiel davon aus, dass die Ausschüttungen sofort wieder reinvestiert werden, was sicherlich nicht immer der Fall ist. Werden die Ausschüttungen aus dem Fondsvolumen genommen, dann sinkt der Vorteil des ausschüttenden ETFs.

Insgesamt gleichen sich beide Arten an und es gibt fast keine steuerlichen Vorteile.

Wo wird die Vorabpauschale abgebucht?

Die Vorabpauschale wird, wenn dein Freistellungsauftrag nicht ausreicht, von deinem Verrechnungskonto abgebucht. Sorge dafür, dass du auf dem Verrechnungskonto ausreichend Guthaben besitzt, um die Vorabpauschale abzudecken.

Gibt es Unterschiede zwischen physischen, swap-basierten ETF oder anderen Replikationsmethoden?

Nein. Alle ETFs werden gleichbehandelt. Es muss nichts weiter beachtet werden.

Fazit: Vorabpauschale grob überschlagen bei ETF Steuern

Normalerweise fallen Steuern immer dann an, wenn man Kapitalerträge erzielt. Doch für ETFs zahlst du Steuern bereits während des Haltens im Voraus, die dann beim Verkauf verrechnet werden. Damit sieht das Finanzamt gleich ihr Geld und nicht 40 Jahre später, wenn endlich der ETF verkauft wird. Die Vorabpauschale vereinfacht vieles und stellt alle ETFs in der Besteuerung gleich.

Im unteren 10.000€ Bereich spielt die Vorabpauschale eine sehr geringe Rolle. Wer sonst nicht weiter mit Aktien handelt, legt einen Freistellungsauftrag fest und lässt es so. Wenn du mit Aktien handelst und jährlich an deinem Freibetrag kratzt, solltest du die Vorabpauschale für deine ETFs überschlagen.

Oben habe ich dir gezeigt, wie das für die Einmalanlage und als Sparplan geht. Da die Steuerberechnung für ETF Sparpläne umständlich ist, würde ich dir empfehlen, dass du meine vereinfachte Rechnung zu Hand nimmst. Der Wert wird leicht höher sein, als die genaue Berechnung vom Depotanbieter. Mehr offen zu lassen, stört aber in keinem Falle.

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Vielen Dank an surang (©surang/flaticon.com) für die Icons aus dem Titelbild.

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